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Verbesserung der Nistmöglichkeiten -1-
Nisthilfen für Bewohner vorhandener Hohlräume - A -

Regal mit Nisthilfen

Eine einfache Möglichkeit, gleichzeitig mehrere Typen von Nisthilfen (Bambusröhrchen, Bündel von Schilfstengeln, Strangfalzziegel und Holzblöcke mit Bohrungen) anzubieten ist, sie auf einem Holzregal unterzubringen. Als Windschutz für eine raschere Erwärmung des Nistplatzes wurde das Regal mit einer Rückwand versehen. Die Lücken bieten Platz für weitere Nisthilfen, sobald die vorhandenen besiedelt sind. Es empfiehlt sich, auch seitlich als Windschutz gegen Westwinde eine Stegdoppelplatte anzubringen. Damit Sonne und Wärme auch in die höchste Etage gelangen, wurde das Regal mit einer transparenten Stegdoppelplatte aus Polycarbonat als Regenschutz versehen. Solch ein lichtdurchlässiges Dach kann durchaus 30–60 cm überstehen. Ein weit nach vorne ragendes Dach aus Ziegeln oder Holz – wie vielfach zu sehen – wirft jedoch im Sommer einen weit nach unten reichenden Schatten, der die Besiedlung vor allem durch wärmeliebende Arten deutlich reduziert (siehe Abbildungen auf dieser und der folgenden Seite oben).

Es kommt nicht darauf an, daß ein Wildbienenhaus den ästhetischen Ansprüchen der Menschen gefällt, sondern daß es die natürlichen Ansprüche der Besiedler erfüllt!

 

Bambusröhrchen und Schilfstengel

Am leichtesten und mit größtem Erfolg können wir solchen Arten eine Nistanlage bieten, die vorhandene Hohlräume verschiedenster Form und Größe besiedeln. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, Stücke aus Bambusrohr anzubieten, das in Baumärkten oder beim Gartenbedarfs-Handel erhältlich ist. (Leider sind die Bambusstäbe manchmal durch und durch verholzt. Dann sind sie ungeeignet.) Dazu wird Bambusrohr mit einem Innendurchmesser von 3–9 mm jeweils hinter den Knoten (Verdickungen) so durchgesägt, daß das hintere Ende durch diesen Knoten einen natürlichen Abschluß hat, während das vordere Ende für den Nestbau zugänglich bleibt. (Ein Durchmesser von 2 mm wird nur von besonders kleinen Arten und nur selten genutzt.) Werden die Knoten ebenfalls abgesägt, dann muß das offene hintere Ende z.B. mit Watte verschlossen werden, damit der Gang völlig dunkel ist. Das Mark wird vom Eingang her mit Hilfe eines entsprechend langen Bohrers, dessen Bohrweite etwas geringer als die des Bambusröhrchens ist oder mit Hilfe eines stärkeren Drahtes oder mith Hilfe einer Flaschenbürste (5 mm) ausgeräumt. Ziel sollte sein, eine möglichst glatte Innenwandung zu schaffen. Vor allem für die Gehörnte Mauerbiene sind solche Hohlräume sehr attraktiv, vor allem, wenn sie mindestens (!) 10 cm tief sind. Die 10–20 cm langen Bambusstücke kann man einzeln in die Löcher von Lochziegeln, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, stecken. (Leere Lochziegel haben keinerlei Nistplatzfunktion!) Ebenso kann man sie als Bündel dicht gepackt in Resten von Kunststoff-Rohren (hinten offen wegen der Luftzufuhr) oder Konservendosen regensicher unterbringen. Notfalls kann man die fest zusammengeschnürten Bündel auch ohne diesen Schutz an einer Wand, einem Pfosten oder an der Balkonbrüstung anbringen.

Bambusröhrchen mit Osmia cornuta

Diese Bambusröhrchen waren bereits im Vorjahr auf meinem Balkon reichlich durch die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) bebaut worden. Im kommenden März sind zahlreiche Männchen (ich habe 61 gezählt) geschlüpft und schwärmen vor den Röhrchen, wo sie ihre einige Tage später erscheinenden Weibchen erwarten. Bei einigen Röhrchen ist der Nestverschluß noch unversehrt. Aus ihnen sind demnach bisher weder Männchen noch Weibchen geschlüpft.

Osmia cornuta an Schilfhalmen

Teil eines käuflichen Nistkastens (Fa. Wildbienenschreiner) mit besiedelten Schilfhalmen und aus den vorjährigen Nestern frisch geschlüpften Männchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta).

Bambusröhrchen

Auch dies sind Möglichkeiten, Bambusröhrchen waagrecht und stabil unterzubringen. Die Verwendung von Lochziegeln hat nur auf diese Weise Sinn.

Bambusröhrchen

Auf jeden Fall sollten die Bambusröhrchen waagrecht orientiert sein.

Zur Not kann man auch Schilf- und Strohhalme oder (käufliche) Pappröhrchen verwenden. Die Rolle aus Schilfhalmen wurde auf folgende Weise gefertigt: Eine als Sichtschutz im Baumarkt erhältliche Schilfmatte wurde mit einer scharfen Rebschere auf Längen von ca. 30 cm gekürzt und die Teilstücke wurden aufgerollt. Besser, weil schärfer, ist die Verwendung einer elektrisch getriebenen Laubsäge. Auf diese Weise erhält man schnell viele Röhrchen, die vorne nicht zerfasert sind. Einige Arten nehmen aber auch Schilfhalme an, die »nur« mit einer Rebschere geschnitten wurden und daher vorne etwas zerfasert sind. In der nachstehend abgebildeten Rolle und in dem käuflichen Nistkasten nisten Mauerbienen, Scherenbienen, Löcherbienen, Maskenbienen und diverse Grab- und Faltenwespen mit ihren Gegenspielern. Es besteht allerdings die Gefahr, daß Meisen oder Spechte während des Winters die relativ dünnen Stengelwände aufhacken und die Brut fressen, es sei denn, die Nester sind in der kalten Jahreszeit mit einem Maschendraht geschützt.

Schilfrolle

Schilfrolle

Schwegler-Schilfkasten

Käuflicher Nistkasten mit Schilfhalmen (Fa. Schwegler)

Hartholz mit Bohrgängen

Für eine weitere Art von Nisthilfen benötigen wir abgelagertes, entrindetes Hartholz (z.B. Esche, Buche, Hainbuche, Eiche), das keinesfalls mit Holzschutzmitteln behandelt sein darf. Nadelholz (Fichte, Tanne, Kiefer) kann nur ein Notbehelf sein, da sich dessen Fasern nach dem Bohren bei Feuchtigkeit wieder aufrichten, die Bienen aber glatte Innenwandungen bevorzugen. Ich selbst bevorzuge Eschenholz. Eichenholz kann man auch nehmen, es wird um so härter, je älter es ist und führt leicht zur Überhitzung der Bohrer. Buchenholz ist zwar ebenfalls geeignet, es tendiert aber zu Rissen.

Größe und Form der Nisthilfen sind eigentlich unerheblich, Blöcke können aber die Handhabung erleichtern, vor allem das Glätten der Bohrungen. Etwa ziegelsteingroße Hartholzreste (von einer Schreinerei, einer Sägerei oder einer Stielfabrik) sind besonders gut zu handhaben. Dicke Äste, wie man sie im Wald findet oder beim Förster bekommt, sind nur geeignet, wenn sie nach der »Ernte« lange genug getrocknet wurden. Sie sind aber eher ein Notbehelf. Ich selbst bevorzuge 7 cm starkes Dielenholz, das mindestens 2 Jahr trocken gelagert wurde und lasse es vom Schreiner in entsprechend große Blöcke sägen (z.B. 8 cm breit, 20 cm hoch, 10 cm tief oder 10 cm x 25 cm x 15 cm). In das Holz werden Gänge von 5–10 cm Tiefe und 2–8 mm Durchmesser gebohrt. Empfehlenswert ist die Kombination verschieden großer Gänge in einer Nisthilfenanlage, doch sollten Bohrweiten von 3–6 mm überwiegen. Die einzelnen Arten wählen dann die ihrer eigenen Größe (Kopfbreite) entsprechenden Bohrgänge zum Nestbau aus. Wenn bestimmte Arten die Nisthilfen nicht besiedeln, kann dies daran liegen, daß die von ihnen bevorzugte Bohrweite nicht vorhanden ist. Es empfiehlt sich, für die einen Nisthilfen nur Gänge mit einem Durchmesser von 2–5 mm vorzusehen und für Gänge von 6–8 mm Durchmesser andere Nistblöcke zu nehmen, die Kombinationen von Bohrweiten also räumlich zu trennen. Dies erleichtert die spätere Pflege und Reinigung der verlassenen Nester von Gehörnter und Rostroter Mauerbiene.

Die Holzoberfläche wird nach dem Bohren mit feinem Sandpapier geglättet, damit die Nesteingänge nicht durch eventuell querstehende Fasern versperrt werden.

»Profis« nehmen hierzu einen elektrischen Schwingschleifer. Leider wird gerade das Abschleifen allzuoft vernachlässigt. Wer eine Kreissäge zur Verfügung hat, kann nach dem Bohren das Holzstück nochmals 2 mm tief absägen. Dann erhält man besonders glatte Eingänge. Das Bohrmehl wird herausgeklopft. Bei Buchenholz und Bohrlöchern weiter als 5 mm kommt es durch Witterungseinflüsse zu Rissen. Gespaltene Gänge werden aber von den Bienen kaum angenommen, weil hier die Gefahr einer Parasitierung viel höher ist. Wer also Buchenholz verwendet, sollte die Bohrgänge nicht zu dicht (Mindestabstand 2 cm) anordnen. Bei Durchmessern von 2–4 mm können die Gänge dichter nebeneinander gesetzt werden. In der Regel erweist es sich außerdem als besser, nicht in das Stirnholz (Hirnholz) zu bohren, sondern quer zur Holzmaserung, also von der Seite, auf der vorher die Rinde war. Zwar nisten in Bohrgängen, die sich im Hirnholz befinden, bisweilen auch einzelne Exemplare von Gehörnter oder Rostroter Mauerbiene. Wer aber ein größeres Artenspektrum zum Ziel hat, der sollte grundsätzlich ins Längsholz bohren.

Nistblock

Zwei Nisthilfen aus gut abgelagertem Eschenholz, das ich von einer Stielfabrik bezogen habe. Der linke Holzblock enthält Bohrungen von 3,5 mm Durchmesser speziell für Arten wie die Hahnenfuß-Scherenbiene (Osmia florisomnis) und die Glockenblumen-Scherenbiene (Osmia rapunculi) sowie die Gewöhnliche Löcherbiene (Osmia truncorum). Diese Arten bevorzugen diesen Durchmesser. Der rechte Block enthält Bohrungen von 8 mm Durchmesser für die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta). Die Weibchen dieser Art erzeugen dann große und auch mehr Weibchen als Männchen, wenn sie solche Hohlräume zur Verfügung haben Je unterschiedlicher demnach die von uns hergestellten Bohrungen in Holz sind, desto mehr Arten können wir damit anlocken und fördern. Die Bohrungen können in Reih und Glied angeordnet werden oder unregelmäßig verteilt sein.


Bohrungen für Nisthilfe

So glatt wie auf diesem Bild sollten die Gänge bzw. Eingänge sein und zwar bei allen Durchmessern. Gut getrocknetes Eschenholz ist hierfür besonders geeignet. Gute Bohrer und Schmirgelpapier sind ebenfalls Vorausssetzung für die Fertigung attraktiver Gänge. Für die zusätzliche Zeit wird man mit einer besseren Besiedlung belohnt. Bitte stets die Bohrung ins Längsholz durchführen (auf Maserung achten)!

Hier wurden ausnahmsweise kleine und große Durchmesser in ein und demselben Block geschaffen.

Mein Tip: Wenn man eigens für die frühfliegenden Mauerbienen (Gehörnte und Rostrote Mauerbiene), die die alten Nester nur ausnahmeweise und nur auf den letzten Zentimetern reinigen, Nistblöcke herstellt (nur Bohrungen mit 6–8 mm Durchmesser), kann man diese nach einer zweimaligen Besiedlung vor dem nächsten Schlüpftermin im zeitigen Frühling in einen allseits geschlossenen Karton legen, in dessen Seite man ein Ausflugsloch von 1–2 cm Durchmesser geschnitten hat. Wenn dann die Mauerbienen schlüpfen, verlassen sie den Karton durch das Ausflugsloch, kehren aber meistens nicht wieder in diesen zurück. Dann hat man die Gewähr, daß aus den Nestern alle Bienen geschlüpft sind und die Bohrungen somit keine Nestinsassen mehr beherbergen. Dann kann man die Bohrungen säubern und im kommenden Frühling den Nistblock wieder als Nistgelegenheit verwenden. Auf diese Weise verwende ich bestimmte Nistblöcke schon seit über 20 Jahren.

Wenn im Winter die Brutröhren aufgebrochene Nestverschlüsse aufweisen, ist dies ein Zeichen, daß der Hohlraum nicht besiedelt wurde. Dann kann man die Röhren reinigen und für die nächste Saison wieder anbieten. Diese Arbeiten sollten aber bis Ende Februar abgeschlossen sein, weil Anfang März schon die ersten Mauerbienen geschlüpft sein können und dann ebenfalls die vorher intakten Nestverschlüsse aufgebrochen sind.

 

Charakteristische Arten der Nisthilfen für Hohlraumbewohner


  • Hylaeus communis und weitere Hylaeus-Arten (Maskenbienen)
  • Megachile centuncularis (Rostfarbene Blattschneiderbiene)
  • Megachile ericetorum (Platterbsen-Mörtelbiene)*
  • Megachile rotundata (Luzerne-Blattschneiderbiene) * [Steckbrief]
  • Megachile versicolor (Verschiedenfarbige Blattschneiderbiene)
  • Megachile willughbiella (Garten-Blattschneiderbiene)
  • Osmia adunca (Glänzende Natterkopf-Mauerbiene) [Steckbrief]
  • Osmia bicornis (= Osmia rufa) (Rostrote Mauerbiene) [Steckbrief]
  • Osmia brevicornis (Schöterich-Mauerbiene) * [Steckbrief]
  • Osmia caerulescens (Stahlblaue Mauerbiene) [Steckbrief]
  • Osmia campanularum (Scherenbienen-Art)
  • Osmia cantabrica (= Chelostoma distinctum) (Scherenbienen-Art)
  • Osmia cornuta (Gehörnte Mauerbiene) [Steckbrief]
  • Osmia crenulata (= Heriades crenulatus) (Gekerbte Löcherbiene) *
  • Osmia florisomnis (= Chelostoma florisomne) (Hahnenfuß-Scherenbiene) [Steckbrief]
  • Osmia rapunculi (= Chelostoma rapunculi) (Glockenblumen-Scherenbiene) [Steckbrief]
  • Osmia truncorum (= Heriades truncorum) (Gewöhnliche Löcherbiene) [Steckbrief]

Anmerkung: Die mit * gekennzeichneten Arten kommen in Deutschland nicht in allen Bundesländern vor oder treten als Besiedler seltener auf.

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