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Bestimmung (Determination)

Wie bestimme ich Wildbienen?

Als besonders hilfreich erweist es sich, wenn man durch einen erfahrenen Wildbienenkenner im Gelände in die Faunistik und Formenkunde eingeführt wird und durch Zurverfügungstellung von Vergleichs- oder Überprüfung von Sammlungsmaterial bei der Bestimmung unterstützt wird, bis man selbst die nötige Sicherheit gewonnen hat. Ich hatte vor vielen Jahren das große Glück, solche Mentoren zu haben. Bei der Einarbeitung in die Taxonomie steht einem seriösen Bearbeiter auch das in den verschiedenen Naturkunde-Museen vorhandene Material für Vergleichszwecke zur Verfügung, so daß sich der Aufbau entsprechender Kontakte empfiehlt. Zur zweifelsfreien Bestimmung aller Bienen benötigt man ein gutes Stereomikroskop (Binokular) mit Meßeinrichtung. Lupen mögen im Gelände hilfreich sein, für die exakte Determination sind sie nur in Ausnahmefällen tauglich (Hummeln, manche größere Bienen mit gut sichtbaren Merkmalen). Bei der Verwendung eines Stereomikroskops wird man in den meisten Fällen mit 10- oder 20facher Vergrößerung arbeiten, bei kleineren Objekten auch mit 40-facher. Sehr wichtig ist eine gute Lichtquelle. Bei den vielfach verwendeten Lichtleitern reflektiert die Körperoberfläche der Bienen derart, daß die Augen schnell ermüden und manche Feinstruktur "überstrahlt" wird. Zu empfehlen ist in solchen Fällen, in den Strahlengang zwischen Lichtquelle und Objekt ein Stück Butterbrotpapier zu halten. Für diesen Zweck kann man sich auch eine entsprechende Halterung basteln. Ich selbst verwende seit vielen Jahren eine flexible Schreibtischlampe mit einer Energiesparröhre (20 Watt) und elektronischem Vorschaltgerät zur Verhinderung des Flackerns.

Wildbienen zu bestimmen, ist nicht immer einfach und benötigt vor allem bei den artenreichen Gattungen Andrena und Nomada, aber auch bei manch anderer Verwandschaftsgruppe viel Geduld, Übung und Erfahrung sowie eine Vergleichssammlung mit verläßlich determinierten Exemplaren. Die Hürden, die hier zu überwinden sind, mögen manch anfänglich Interessierten abschrecken. Aber wenn man sich einmal eingearbeitet hat, wird man für die Mühe durch viele faszinierende Beobachtungen belohnt, zumal es auf diesem Gebiet noch viel Neues zu erforschen und zu entdecken gibt.

Die Gattungsschlüssel bauen in der Regel auf dem Flügelgeäder auf. Anfänger(innen) werden sich meistens auf diese Weise in die Taxonomie einarbeiten müssen. Später werden sie auf die Berücksichtigung der Flügelmerkmale verzichten können, weil sie im Laufe der Zeit aufgrund von Habitus und Verhalten den größten Teil zumindest der sogenannten »Großgattungen« ohne Betrachtung des Flügelgeäders auch im Feld erkennen können.

Um einen Einblick in die ungeheure Formenfülle der heimischen Wildbienen zu vermitteln, habe ich in meinen »Wildbienen Baden-Württembergs« viele Arten in Farbfotos abgebildet, vor allem solche, die man mit einiger Übung auch im Gelände erkennen kann. Ähnliches gilt auch für mein Buch »Wildbienen - Die anderen Bienen«. Die Abbildungen in diesen Büchern bzw. wie sie auch in anderen, mit Fotos illustrierten Naturführern enthalten sind, dürfen aber nicht die Illusion nähren, man könne sich die Benutzung von Bestimmungsschlüsseln ersparen. Dies gilt vor allem für artenreiche und schwierig zu determinierende Gattungen mit vielen kleinen und unscheinbaren Arten. Für manche Gattungen empfiehlt es sich sogar, zusätzlich Spezialarbeiten heranzuziehen. Dennoch können solche Führer, von denen ich die beiden folgenden empfehle, für den ersten Einstieg sehr hilfreich sein.

Feldführer


Amiet und Krebs Bienen

Amiet, F. & Krebs, A. (2012): Bienen Mitteleuropas - Gattungen, Lebensweise, Beobachtung - 423 S.; Haupt Verlag, Bern, Stuttgart, Wien. ISBN 978-3-258-07713-0 [über den Buchhandel zu beziehen]

Empfehlenswert!


Bellmann Bienen

Bellmann, H. (2010): Bienen, Wespen, Ameisen. Hautflügler Mitteleuropas. 130 Arten. - Kosmos Naturführer 2. Aufl. 336 S. m. 343 Farbfotos u. 67 Zeichn. [über den Buchhandel zu beziehen]


Fieldguide to bees

Falk, S. & Lewingten, R. (2015): Field Guide to the Bees of Great Britain and Ireland. 432 S.; London (Bloomsbury Publishing)

Der englischsprachige Feldführer bezieht sich auf die Fauna der Britischen Inseln, auf denen 275 Arten und damit etwa die Hälfte der aus Deutschland bekannten Bienenarten vorkommt. Das Buch enthält aber über 1000 Abbildungen, darunter viele sehr treffende Fotos und schöne Zeichnungen der Arten und Kurzbeschreibungen. Viele der bei uns vorkommenden Arten lassen sich damit bestimmen.

Empfehlenswert!

»Der Schmiedeknecht«, ein älteres Bestimmungswerk

Einer der Gründe für die anfänglichen Schwierigkeiten der Bestimmung bis zur Art war lange Zeit der Mangel an gut illustrierter Bestimmungsliteratur, mit der auch Anfänger zurechtkommen. So war man, mit wenigen Ausnahmen abgesehen, auf die reinen Text-Schlüssel in Schmiedeknecht (1930) angewiesen. Zumindest in Teilen und zur Ergänzung kann die Verwendung des »Schmiedeknechts« auch heute noch durchaus sinnvoll sein.

Schmiedeknecht, O. (1930): Die Hymenopteren Nord- und Mitteleuropas. 2. Auflage. 1062 S.; Jena (Gustav Fischer).

Schmiedeknecht

Das Titelblatt des Bestimmungswerks

Schmiedeknecht

Otto Schmiedeknecht beim Betrachten eines Insekts und seine Handschrift.

Neuere Bestimmungswerke

Glücklicherweise wurden seit dem Erscheinen der "Wildbienen Baden-Württembergs" gut illustrierte Schlüssel veröffentlicht, die den Einstieg deutlich erleichtern, aber – wie bei allen Schlüsseln – keine Gewähr für eine korrekte Determination in allen Fällen geben können.

An erster Stelle möchte ich hier die in der Reihe »Fauna Helvetica« erschienenen Bestimmungswerke nennen, die Felix Amiet zunächst allein begonnen und dann in Zusammenarbeit mit mehreren Ko-Autoren fortgeführt hat. Alle Teile enthalten viele von Felix Amiet gemachte Zeichnungen, die unmittelbar bei den in den Bestimmungsschlüsseln erwähnten Merkmalen plaziert sind und so das Arbeiten sehr erleichtern. Durch die jahrzehntelange Erfahrung von Amiet und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Bienenkundlern ist in dieses Bestimmungswerk sehr viel Wissen eingeflossen. Für lange Zeit werden diese Bestimmungsschlüssel mit den ebenfalls beigefügten Verbreitungskarten ein unverzichtbares Rüstzeug für jeden darstellen, der sich mit den Bienen der Schweiz beschäftigen will. Da die bisher in Deutschland nachgewiesenen Arten mit ganz wenigen Ausnahmen auch in der Schweiz vorkommen, sind diese Bestimmungsschlüssel auch für die Bearbeitung der Bienenfauna Deutschlands sehr zu empfehlen.

Tafel aus Amiet

Eine Seite aus Apidae 5 von Amiet et. al.

Amiet, F. (1996): Hymenoptera Apidae, 1. Teil. Allgemeiner Teil, Gattungsschlüssel, Die Gattungen Apis, Bombus und Psithyrus. – Insecta Helvetica Bd. 12, 98 S. (auf dieser Seite sind zwei Tafeln abgebildet).

Amiet, F., Neumeyer R. & Müller, A. (2014): Apidae 2. Colletes, Dufourea, Hylaeus, Nomia, Nomioides, Rhophitoides, Rophites, Sphecodes, Systropha. - Fauna Helvetica 4, 210 S.

Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer R. (2001): Apidae 3. Halictus, Lasioglossum. - Fauna Helvetica 6, 208 S.

Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer R. (2004): Apidae 4. Anthidium, Chelostoma, Coelioxys, Dioxys, Heriades, Lithurgus, Megachile, Osmia, Stelis. - Fauna Helvetica 9, 273 S.

Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer (2007): Apidae 5. Ammobates, Ammobatoides, Anthophora, Biastes, Ceratina, Dasypoda, Epeoloides, Epeolus, Eucera, Macropis, Melecta, Melitta, Nomada, Pasites, Tetralonia, Thyreus, Xylocopa. - Fauna Helvetica 20, 356 S.

Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer (2010): Apidae 6. Andrena, Melitturga, Panurginus, Panurgus. - Fauna Helvetica 26, 317 S.

Für Band 1 ist eine Neuauflage in Vorbereitung. Von Band 2 gibt es eine 2. Auflage, die noch erhältlich ist. Die Bände 3 und 4 sind vergriffen und es bleibt zu hoffen, daß von ihnen auch irgendwann eine Neuauflage erscheinen wird. Band 5 und 6 sind derzeit noch erhältlich.

Zu beziehen sind die noch erhältlichen Bände über: Centre suisse de cartographie de la faune (CSCF/SZKF), Passage Maximilien-de-Meuron 6, CH-2000 Neuchâtel.


Ebenfalls empfehlenswert sind die »Illustrierten Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs« von Erwin Scheuchl (bei Band III mit C. Schmid-Egger als Ko-Autor). Auch sie enthalten viele sehr gute Zeichnungen, die ebenfalls unmittelbar neben dem Bestimmungstext stehen. Während der Nomada-Schlüssel im Band 1 im wesentlichen der im Schmiedeknecht (1930) enthaltene Schlüssel von Stoeckhert ist, der von Scheuchl mit Zeichnungen versehen wurde, stellen die späteren Schlüssel Neubearbeitungen dar. Aber auch hier wäre es naiv, zu erwarten, daß mit diesen Schlüssel alle Exemplare, die im Rahmen einer faunistischen Untersuchung zusammengetragen wurden, bestimmt werden können. In nahezu jeder, zumindest artenreicheren Bienengattung gibt es Gruppen sehr nah miteinander verwandter Taxa, bei der selbst die Spezialisten sich nicht immer über die Artzugehörigkeit einig sind. Bienenkundler sind in der Regel darauf angewiesen, biologische Arten anhand von rein morphologischen Merkmalen zu bestimmen, für deren Untersuchung im Normalfall lediglich ein Stereomikroskop als optisches Hilfsmittel zur Verfügung steht.

Tafel aus Scheuchl

Eine Seite aus Band II von Scheuchl

Scheuchl, E. (2000): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band I: Anthophoridae. - 2. erweiterte Auflage, 158 S. (Eigenverlag).

Scheuchl, E. (2006): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band II: Megachilidae - Melittidae. 192 S. (Eigenverlag). - Neubearbeitung.

Schmid-Egger, C. & Scheuchl, E. (1997): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band III: Andrenidae. 180 S. (Eigenverlag).

Leider sind die einzelnen Bände vergriffen. Eine Neuauflage ist in naher Zukunft nicht zu erwarten (Stand: 14.12.2014):

 

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