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Das System der Bienen

Sieben Unterfamilien

Innerhalb der aculeaten Hymenopteren werden die Grabwespen (Spheciformes, sphecoid wasps) und die mit ihnen nah verwandten Bienen (Apiformes) heute zu einer Überfamilie Apoidea (früher Sphecoidea) zusammengefaßt. Was die Grabwespen betrifft, die früher eine einzige Familie Sphecidae bildeten, führten jüngere systematische Untersuchungen (Melo 1999, Ohl & Bleidorn 2006) zu einer neuen Klassifikation mit den drei Familien Ampulicidae (Schaben-Grabwespen), Sphecidae (Langstiel-Grabwespen) und Crabronidae (Echte Grabwespen). Während Gauld & Bolton (1988) die Bienen als eine Familie Apidae auffassen und dies nachvollziehbar begründen, unterteilt Michener (2007) die Bienen in insgesamt sieben Familien: Stenotritidae (nur in Australien), Colletidae, Andrenidae, Halictidae, Melittidae, Megachilidae und Apidae. Ich schließe mich hier der ersten Auffassung an, die auch Dathe (2003) teilt, und behandle die Bienen als eine Familie mit 7 Unterfamilien, von denen sechs in unseren Breiten vertreten sind (Unterfamiliennamen siehe weiter unten).

Das nachfolgende System der in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommenden Bienen basiert in Bezug auf die Unterscheidung von 6 Unterfamilien auf dem im Jahre 2000 erstmals und 2007 in einer 2. Auflage erschienenen Werk von C.D. Michener, The Bees of the World (The Johns Hopkins University Press). Bei den Gattungen weicht es jedoch teilweise von Michener ab und entspricht der Klassifikation, die in dem Verzeichnis der Bienen Deutschlands (Westrich & Dathe 1997) verwendet und dort begründet wurde.

Gattungen sind keine natürlichen Einheiten

Anders als bei Arten ist der Status einer Gattung nicht streng objektivierbar, und tatsächlich erwiesen sich die Auffassungen über Gattungsgrenzen bereits in der Vergangenheit oftmals als nicht zu harmonisieren, weil sie überwiegend vom Standpunkt des Bearbeiters bestimmt sind, der oft nur auf einem Teilgebiet (eine bis mehrere Gattungen) tätig ist. Im Falle der Hummeln (Bombus) ist dies besonders deutlich. In dem aktualisierten Verzeichnis der Bienen Deutschlands haben Dathe und ich ein von Schwarz et. al (1996, Katalog der Bienen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, Entomofauna, Supplement 8) teilweise abweichendes Konzept verfolgt, das sich stärker an der praktischen Handhabbarkeit orientiert, ohne die biologischen Gegebenheiten zu ignorieren und den Blick auf die globale Situation der betreffenden Taxa – soweit erschlossen – zu vernachlässigen. Natürlich dürfen dem keine gesicherten Erkenntnisse über phylogenetische Verwandtschaftsbeziehungen entgegenstehen. Handhabbar in diesem Sinne und noch am ehesten konsensfähig sind die klassischen Großgattungen, die man zum Beispiel auch in einer fremden Fauna sofort ansprechen kann, ohne erst spezielle Schlüssel heranziehen zu müssen.

Michener et al. (1994: 2, The Bee Genera of North and Central America) äußern sich zu diesem Problem in folgender Weise:

»... a moderate number of large, readily distinguishable genera is preferable to a large number of small genera. Thus genera like Culex, Aedes, Drosophila and Andrena mean something to many biologists. Each such genus could be split merely by raising subgenera to generic status, but usefulness to a broad audience argues against that action.«

Leider ist Michener in »The Bees of the World« von dieser früheren Auffassung abgewichen und hat sich, wie es scheint, stärker an seinen Schülern orientiert. Wenn dieses Werk, das ein Meilenstein in der Geschichte der weltweiten Bienenkunde darstellt und zweifellos von der einzigartigen Kenntnis seines Verfassers über Bienen zeugt, wie eine »Bibel« betrachtet wird (und als solches wird das Werk von J. G. Rozen auf der Umschlagrückseite bezeichnet), besteht die Gefahr, daß andere, möglicherweise unkonventionelle, aber nicht weniger gut begründete Meinungen diskriminiert werden.

Um Mißverständnissen vorzubeugen: Es ist jedem unbenommen, Michener zu folgen, doch können andere Auffassungen ebenso berechtigt sein und sollten daher respektiert werden, eine Haltung, die auch Michener selbst immer ausgezeichnet hat. Schließlich sind Gattungen im Gegensatz zu Populationen bzw. biologischen Arten keine natürlichen Einheiten, sondern ausschließlich von Menschen geschaffene, einer subjektiven Bewertung unterliegende Ordnungseinheiten.

Großgattungen haben ihre Berechtigung

Weitere Argumente zu dieser Problematik finden sich in Schwarz et al. (1996). Im Konkreten halten Dathe und ich es für besser begründet oder zumindest gerechtfertigt, die Gattungen Chelostoma und Heriades mit Osmia sensu Schwarz et al. (1996: 117) zu vereinen und Anthophora sowie Eucera nicht weiter aufzutrennen. Die neueren Autoren unterscheiden bei den Osmiinae zwischen einer (Warncke 1986) und 10 Gattungen (van der Zanden 1988); immerhin sind sie sich über die Kategorie »Osmiinae« einig (vgl. Tab. 9, S. 118 in Schwarz et al. 1996). Bereits Schletterer (1889) beschreibt sehr ausführlich und anhand vieler Beispiele die wechselhafte Geschichte sowie die Problematik der Beurteilung und Unterscheidung von Heriades und Chelostoma, hält aber dennoch an beiden Gattungen fest, indem er sich auf die unterschiedliche Zahl von Kieferntastern (Maxillarpalpen) stützt. Ducke (1900: 5) äußert in seiner Monographie der Gattung Osmia, daß eine sichere Abgrenzung von Osmia gegenüber Heriades (= Eriades) nicht möglich sei, gleichwohl sähe er »vorläufig« noch von einer Vereinigung beider Gattungen ab. An Arten wie Osmia glutinosa und Osmia minutula (beide in Deutschland nicht vorkommend) läßt sich die Schwierigkeit einer klaren Zuordnung deutlich aufzeigen (vgl. Griswold & Parker 1987: 54). Bei den Osmiini sollte man demnach eine nachvollziehbare phylogenetisch begründete Analyse abwarten, um eine wirkliche Entscheidungshilfe zu gewinnen und nicht nur Ansichten zu folgen.

Literatur

Dathe, H. H. (2003): 31. Ordnung Hymenoptera, Hautflügler. S. 585-651 in: Dathe, H. H. (Hrsg.) Lehrbuch der Speziellen Zoologie. Band I: Wirbellose Tiere. 5. Teil: Insecta. Heidelberg, Berlin (Spektrum Akademischer Verlag).

Gauld, I. & Bolton, B. (1988):The Hymenoptera. 332 S., New York (Oxford University Press).

Melo, G. A R. (1999): Phylogenetic relationships and classification of the major lineages of Apoidea (Hymenoptera), with emphasis on the crabronid wasps. – Sci. Pap. Nat. Hist. Mus. Univ. Kansas, 14: 1-55.

Michener, C. D. (2007): The Bees of the World. 2. Aufl. The John Hopkins University Press. Baltimore and London.

Ohl, M. & Bleidorn, C. (2006): The phylogenetic position of the enigmatic wasp familiy Heterogynaidae based on molecular data, with description of a new, nocturnal species (Hym.: Apoidea). – Syst. Ent., 31 (2): 321-337.

Schwarz, M., Gusenleitner, F., Westrich, P. & Dathe, H. H. (1996): Katalog der Bienen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz (Hymenoptera, Apidae). – Entomofauna, Supplement 8, 398 S.; Linz.

Westrich, P. & Dathe, H. H. (1998): Die Bienenarten Deutschlands (Hymenoptera, Apidae). Berichtigungen und Ergänzungen. – Entomol. Z., 108: 154-156; Frankfurt a. M.